Ein grober zahnärztlicher Behandlungsfehler kann vorliegen, wenn beim Beschleifen von Milchzähnen zu viel Material abgetragen.

Medizinrecht / Zahnmedizin / Behandlungsfehler / Arzthaftung

 

 

OLG Hamm, Urt. vom 04. Juli 2017, 26 U 3/17

 

 

Betrag: 2.000 EUR

 

 

Im vom 26. Senat entschiedenen Fall, wurden die Milchzähne der Patientin in ihrer Breite reduziert, was aus Sicht der Beklagten Zahnärztin geboten war, um später passgenaue Implantate einsetzen zu können. Dieses "Slicen" stellte sich nach Ansicht des Gerichts als grober Behandlungsfehler heraus. Denn hier wurde zu viel Material an den Milchzähnen entnommen was zu Dentinwunden und Karies sowie einer erhöhten – schmerzhaften- Temperaturempfindlichkeit  führte. Auch sei die Behandlung aus ästhetische Gründen nicht gerechtfertigt. Denn durch die angestrebte Harmonierung sei weder die Kaufähigkeit noch die Zahneinigung verbessert. Hierbei komme es ausschließlich auf die Verzahnung an.

 


verlust des geruchsvermögens (Anosmie)

Medizinrecht / Arzthaftung / Behandlungsfehler

 

 

OLG Köln Urt. Vom 17. Februar 1993, 27U42/92

 

Betrag: 7.000 DM / ca. 3.500 EUR

 

 

Nach einer Nasenscheidenwandoperation verlor die Patientin ihr Geruchsvermögen. Nach Ansicht des Senats war hier ein Schadensersatzanspruch in Höhe von 7.000 DM angemessen. Zwar sei der Geruchssinn nicht der wichtigste menschliche Sinn, dennoch beeinträchtige dessen Fehlen doch die allgemeine Lebensfreude, argumentierte das OLG Köln.  Zudem habe er auch eine Warnfunktion (Geruch von Rauch) und der Geschmacksinn sei durch die Anosmie erheblich beeinträchtigt.

 


Deformierung am Rücken, Hüfte und Oberschenkel nach Fettabsaugung (Liposuktion)

Medizinrecht / Arzthaftung / fehlende Aufklärung / Behandlungsfehler

 

 

OLG Düsseldorf, Urt. Vom 20. März 2003, 8 U 18/02

 

 

Betrag: 4.000 EUR

 

 

Der Senat betonte in der Entscheidung, dass bei einer nicht medizinisch indizierten Operation (Schönheitschirurgie) den behandelnden Arzt / der behandelnden Ärztin besonders hohe Aufklärungspflichten treffen. Diese müssen, umfassend über die Risiken der Behandlung aufklären und darüber hinaus aufzeigen, welche Ergebnisse bestenfalls und schlechten falls erzielt werden können. Auch müssen sie über eventuelle Nachoperationen aufklären (z. B. Hautstraffung). Werden Mängel in der Aufklärung festgestellt, so ist die Einwilligung des Patienten als nichtig anzusehen und die Behandlung gilt als rechtswidriger Eingriff. Wird überdies die Behandlung noch unsachgemäß ausgeführt, hier führte sie zu Deformationen am Rücken, Hüfte und Oberschenkel (die am Bauch konnte durch einen anderen Chirurgen korrigiert werden), kann der Patientin ein Schadensersatzanspruch in vorgenannter Höhe sowie die Erstattung des gezahlten Honorars zustehen.  

 

 

 

 

 


oberschenkelbruch nach falscher prothese

Medizinrecht / Arzthaftung / Behandlungsfehler

 

OLG Köln, Urtl. vom 16. Februar 1995, 5U 42/94

 

 

Betrag: 10.000 DM 5.000 EUR

 

 

Nach Ansicht des OLG Köln ist es als Behandlungsfehler zu werten, wenn der behandelnde Arzt / die behandelnde Ärztin ohne nachvollziehbarem Grund, eine größere Prothese als notwendig beim Einsatz eines Hüftgelenkersatzes verwendet. Denn dies widerspräche dem medizinischen Grundsatz, möglichst viel Knochensubstanz zu erhalten. Hier sei die notwendige Größe bereits präoperativ zu ermitteln. Hintergrund ist der, je mehr Knochensubstanz fehlt, desto schwächer wird die Wandstärke des Röhrenknochens, was, wie im entschiedenen Fall, zu einem Bruch des Trochanter Minor und einer Splitterung des Femurs (Oberschenkelknochen) führen kann und vorliegend geführt hat.

 

Unter Berücksichtigung der daraus folgenden Schmerzen und Beeinträchtigung (der Bruch musste mit vier Drahtverbindungen (Drahtcercelar) fixiert werden, sprach das Gericht der Patientin den oben genannten Schadensersatzanspruch aufgrund des Behandlungsfehlers zu.

 

 

 


Ein Patient hat wegen Verlustes des linken Hodens aufgrund von Behandlungs­verzögerungen Anspruch auf Schmerzensgeld.

Medizinrecht / Behandlungsfehler /Arzthaftung / Urologie /

 

 

OLG Köln, Urteil vom 23.01.2001, 5 U 85/01

 

 

Betrag: 18.000 EUR

 

 

Wird während der Diagnose der Verdacht begründet, der Patient könnte an einerHodentorsion leiden, muss der behandelnde Arzt / die behandelnde Ärztin unverzüglich entsprechende Untersuchungen einleiten, um dies auszuschließen. Im entschiedenen Fall wurde der 16-Jährige Jugendliche anderweitig behandelt und seinem Vater übergeben, der ihm zu einem Urologen bringen sollte. Dieser bestätigte den Verdacht einer Hodentorsion und wies den Jugendlichen umgehend in eine Fachklinik ein. Aufgrund der Verzögerung verlor der Patient den linken Hoden.